
Wir designen für Mensch und Maschine
Florian Berger · 25.09.2026
Thema: Maschinenlesbare Website
Wenn ich früher einen Entwurf vorgestellt habe, gab es am Ende eine Frage: Wirkt das? Findet sich jemand zurecht, versteht er in einer Sekunde, worum es geht, bekommt er Vertrauen? Heute stelle ich zwei Fragen. Die zweite lautet: Versteht das auch eine Maschine?
Das ist für mich der größte Wandel, den ich in zwanzig Jahren Webdesign erlebt habe. Eine Website wird nicht mehr nur für den Menschen im Browser gestaltet, sondern auch für Suchmaschinen, KI-Assistenten und Agenten, die sie lesen, zusammenfassen und weitergeben. Dafür gibt es zwei Begriffe, die sich weitgehend überschneiden: AEO zielt auf die direkte Antwort — die Antwortbox, den Sprachassistenten, die KI-Übersicht in der Suche. GEO meint breiter, in generierten Antworten als zitierfähige Quelle herangezogen zu werden. Webdesign für Mensch und Maschine heißt für mich, die digitale Identität eines Betriebs für beide Leser zu gestalten.
Für den Menschen: in einer Sekunde Vertrauen.
Für einen Menschen muss eine Website im ersten Moment Vertrauen wecken, Orientierung geben und ohne Nachdenken funktionieren. Daran hat sich nichts geändert, und es bleibt die Hälfte meiner Arbeit.
- Hierarchie und Lesbarkeit. Ich arbeite mit klarer Typografie, deutlichen Kontrasten und viel Weißraum, weil sie das Auge durch die Seite führen. Im Web wird kaum gelesen, sondern überflogen: Schon 1997 hat die Nielsen Norman Group gezeigt, dass 79 Prozent der Testpersonen eine neue Seite scannen, statt sie Wort für Wort zu lesen.
- Marke und Gefühl. Farben, Bildsprache und Tonalität entscheiden, ob sich jemand angesprochen fühlt. Eine KI versteht deinen Text. Gekauft wird trotzdem beim Menschen — und der entscheidet über Vertrauen und über die Marke.
- Tempo und Barrierefreiheit. Kurze Ladezeiten, ruhige Animationen und ausreichend große Tippflächen auf dem Handy sind für mich keine Kür. Genauso wenig barrierefreier Code, damit wirklich jeder die Seite nutzen kann. In btlabs Core haben wir Sprunglink, sichtbare Fokus-Markierung und das Abschalten von Bewegung eingebaut, und ein automatischer Test prüft die Seiten jeden Tag. Eine Konformitätszusage ist das nicht — aber ein Fundament, auf dem man sie erreichen kann.
Für die Maschine: Struktur, Bedeutung, Kontext.
Eine KI sieht kein Layout und keine Stimmung. Sie liest Code, Struktur und Daten, und sie zieht aus einer Seite einzelne Passagen heraus, statt sie als Ganzes zu betrachten. Darauf richte ich heute einen zweiten Teil jedes Entwurfs aus.
- Fertiges HTML statt Bastelanleitung. Viele Seiten entstehen erst im Browser, per JavaScript zusammengesetzt. Für einen Menschen macht das keinen Unterschied, für viele Maschinen schon: Eine Auswertung von Vercel und MERJ aus dem Jahr 2024 fand, dass die Crawler von OpenAI, Anthropic und Perplexity kein JavaScript ausführen — anders als der von Google. Deshalb liefern wir jede Seite serverseitig fertig aus — was eine Maschine abholt, ist der vollständige Inhalt.
- Semantisches HTML. Ich setze konsequent auf die richtigen Elemente: Kopfbereich, Hauptinhalt, Artikel, Navigation, Überschriften in sauberer Reihenfolge. Sie sagen einer Maschine sofort, was Kerninhalt ist, was Navigation und was ein Zitat. Eine Überschrift, die nur groß aussieht, aber technisch keine ist, existiert für sie nicht.
- Eine zweite, unsichtbare Ebene. Neben dem sichtbaren Design lege ich strukturierte Daten nach Schema.org an, und zwar als JSON-LD, getrennt vom sichtbaren Code — so, wie Google es empfiehlt. Dazu kommen Textformate wie die llms.txt. Die ist bis heute keine verabschiedete Norm, sondern ein Branchenvorschlag, und wer sie wirklich abholt, haben wir selbst nachgezählt: In rund drei Monaten bis September 2026 waren es bei uns nachweislich genau zwei Anbieter, Googlebot und GPTBot. Einen praktischen Hebel hat sie trotzdem, denn Googles Prüfwerkzeug Lighthouse bewertet sie inzwischen — warum eine schlechte Datei dann schlechter ist als gar keine, habe ich in Eine schlechte llms.txt ist schlechter als gar keine beschrieben.
- Gestaltung, die man abfragen kann. Selbst Farben und Schriften mache ich maschinenlesbar, als Design-Tokens mit Namen und Wert. Wie wir bei uns selbst gemerkt haben, dass das fehlte, steht in Warum eine KI deine Marke nicht darstellen kann.
- Eindeutige Angaben. Sprechende Adressen, saubere Metadaten und präzise Beschreibungen von Betrieb und Leistungen machen aus deinem Unternehmen eine eindeutige Entität. Das verhindert nicht jede falsche Antwort einer KI, aber es senkt das Risiko, dass sie Fakten falsch verknüpft.
Wo beide Welten dasselbe wollen.
Das Schöne ist: Was einem Menschen hilft, hilft oft auch der Maschine.
- Klare Struktur. Eine Seite mit aussagekräftigen Überschriften und kurzen Listen hilft dem Menschen, der überfliegt, und der KI, die Passagen herausschneidet. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt eine Analyse von KI-Zitationen: Gezielte, granulare Seiten wurden 2,3-mal häufiger zitiert als breite Sammelseiten. Die Zahlen dahinter habe ich in 2,3× mehr KI-Zitate: was granulare Struktur bringt aufgeschlüsselt.
- Reduktion auf das Wesentliche. Wer auf den Punkt gestaltet, liefert Inhalt ohne visuelles Rauschen. Beim Menschen hilft das der Entscheidung, bei der Maschine der Einordnung.
Wo sie sich widersprechen.
Nicht alles, was für Menschen gut aussieht, kommt bei der Maschine an. Das sind die Stellen, an denen ich heute anders entwerfe als vor fünf Jahren:
- Kein wichtiger Text im Bild. Öffnungszeiten auf einer Grafik, ein Angebot im Banner, ein Zitat als Bild: Für einen Menschen lesbar, für eine Maschine leer.
- Überschriften als Aussagen. „Unsere Leistungen" sagt einer KI nichts. „Heizungswartung in Bozen innerhalb von 48 Stunden" ist eine Aussage, die sie zitieren kann.
- Symbole mit Worten. Ein Telefonhörer ohne Beschriftung ist für Menschen klar, für Maschinen und Screenreader ein leeres Zeichen.
- Alt-Texte, die beschreiben. „Bild1.jpg" oder „Teamfoto" verschenkt die einzige Stelle, an der ein Bild mit Maschinen spricht.
Wer das Thema von der Sichtbarkeit her denken will — welche zwei Kanäle eine Website heute überhaupt bedienen muss —, findet das in Zwei-Kanal-Sichtbarkeit. Hier ging es mir um das Handwerk dahinter.
Zwei Fragen, ein Entwurf.
Am Ende jedes Entwurfs stehen bei mir heute beide Fragen gleichberechtigt nebeneinander: Wirkt das? Und versteht das auch eine Maschine? Ein Entwurf ist erst fertig, wenn ich beide mit Ja beantworten kann — die sichtbare Oberfläche und die maschinenlesbare gehören zur selben Identität.
Wenn du wissen willst, wie deine Website bei beiden Fragen abschneidet, schreib mir.
Häufig gestellte Fragen.
Muss meine Website barrierefrei sein — betrifft mich das?
Das hängt davon ab, was deine Website tut. Grundlage ist der European Accessibility Act (EU-Richtlinie 2019/882), anwendbar seit dem 28. Juni 2025 und national umgesetzt — in Deutschland als BFSG. Er betrifft vor allem Websites, über die Verbraucher Produkte kaufen oder Dienstleistungen buchen können, etwa Shops oder Online-Buchungen. Für Kleinstunternehmen, die Dienstleistungen anbieten, sind Ausnahmen vorgesehen. Ob dein Fall darunterfällt, lass im Zweifel rechtlich prüfen — eine verbindliche Rechtsauskunft kann dir nur eine Fachstelle geben.
Unabhängig von der Pflicht lohnt sich Barrierefreiheit fast immer: Klare Struktur, gute Kontraste und Tastaturbedienung machen deine Website für alle besser nutzbar — auch für ältere Gäste und unterwegs am Handy. Und dieselbe saubere Struktur, die einem Screenreader hilft, hilft auch Suchmaschinen und KI-Systemen, deine Inhalte korrekt zu verstehen. Barrierefreiheit ist Qualität — kein lästiger Zusatz.
Brauche ich zwingend eine llms.txt?
Sie ist kein Google-Ranking-Signal (das sagt Google selbst) — aber in Minuten erstellt und für KI-Agenten als Orientierung nützlich. Ein günstiger Zusatz, kein Wundermittel.
Wie verbreitet sie wirklich ist, messen wir selbst: Stand September 2026 liefern 13,5 % der geprüften Domains eine llms.txt aus. Die Messung ist offengelegt im ai-discovery-radar.
Warum empfiehlt mich eine KI mit falscher Nummer oder Öffnungszeit?
Weil KI-Assistenten ihre Fakten meist aus Karten- und Verzeichnisdaten ziehen. Stehen deine Angaben dort widersprüchlich oder veraltet — eine alte Nummer, eine falsche Öffnungszeit —, übernimmt die KI genau das und gibt es überzeugt als Antwort weiter.
Verzeichnisse kopieren zudem oft voneinander, sodass sich ein einzelner Fehler über mehrere Plattformen verbreitet. Für dich als Betrieb heißt das: Eine kleine Unstimmigkeit an einer Stelle kann als falsche Auskunft bei mehreren KI-Antworten landen.


