
Eine schlechte llms.txt ist schlechter als gar keine
Berger+Team · 21.09.2026
Keine llms.txt zu haben kostet dich nichts. Eine schlampige kostet dich einen roten Punkt in Googles eigenem Prüfwerkzeug. Wenn du die Datei also auslieferst, dann richtig — oder gar nicht.
Was sich 2026 geändert hat
Lighthouse, das Prüfwerkzeug hinter PageSpeed Insights, hat seit diesem Jahr eine Kategorie für agentisches Browsen. Drei Audits stecken darin, einer davon prüft deine llms.txt. Das läuft in der Standardkonfiguration — also bei jedem, der seine Seite bei PageSpeed Insights eingibt. Dein Kunde, dein Wettbewerber, du selbst.
Im selben Jahr sagt Google in der Suche: Wir unterstützen llms.txt nicht. Gary Illyes hat es im Juli 2025 auf der Search Central Live so gesagt, und es ist nicht geplant. John Mueller wurde gefragt, ob Googles eigene llms.txt eine Empfehlung sei. Seine Antwort: „to be direct, no."
Beides ist Google. Die Suche bestreitet die Route, der Browser bewertet sie.
Was das Prüfwerkzeug genau macht
Das ist der Teil, der in den meisten Artikeln falsch steht, deshalb hier genau:
- Datei gibt es nicht (404) → keine Abwertung, der Audit gilt als nicht anwendbar
- Server antwortet mit Fehler oder gar nicht → Score 0
- Datei da, keine Überschrift → durchgefallen
- Datei da, kürzer als 50 Zeichen → durchgefallen
- Datei da, kein Markdown-Link → durchgefallen
Die Überschrift muss eine echte Markdown-Überschrift mit Rautezeichen sein, ganz oben. Die Längengrenze nennt das Werkzeug selbst „verdächtig kurz".
Im Bericht steht dann: „llms.txt does not follow recommendations."
Lies die erste Zeile noch einmal. Fehlen wird nicht bestraft. Wer keine llms.txt hat, wird von diesem Audit nicht angefasst. Wer eine hat, wird gemessen.
Das ist der ganze Punkt dieses Artikels, und es ist die Stelle, an der wir selbst schon einmal falsch lagen: In einer früheren Notiz von uns stand das Gegenteil.
Der Prüfer ist jung — und macht Fehler
Dass gemessen wird, wäre nicht schlimm, wenn der Maßstab stillstünde. Tut er nicht. Drei Beispiele aus dem öffentlichen Fehlerverzeichnis von Lighthouse:
Im Juni 2026 fielen llms.txt-Dateien durch, die das WordPress-Plugin Yoast erzeugt hatte. Der Grund war ein unsichtbares Steuerzeichen am Dateianfang, eine sogenannte Byte Order Mark. Nichts daran war inhaltlich falsch. Millionen WordPress-Seiten waren betroffen.
Zwei Wochen später fielen Dateien durch, die der Spezifikation entsprachen — abhängig von der Chrome-Version, mit der geprüft wurde.
Und seit Ende August 2026 ist ein Fehler offen, bei dem PageSpeed Insights eine fehlende Überschrift und fehlende Links meldet, obwohl beides in der Datei steht.
Daraus folgt nichts Dramatisches, aber etwas Praktisches: Wer eine llms.txt ausliefert, wird gegen einen Maßstab gemessen, der sich noch bewegt. Wer keine hat, nicht.
Wer die Datei tatsächlich abholt
Wir messen auf unserer eigenen Seite mit, wer die Datei anfragt — über rund drei Monate, ausschließlich die beiden llms-Pfade.
Das Bild in groben Zügen: Etwa siebenhundert Abrufe, davon weniger als jeder zehnte von einem Crawler, dessen Herkunft sich technisch bestätigen lässt. Googlebot und GPTBot holen die Datei nachweislich ab — regelmäßig, aber in überschaubarer Zahl. Den größten Block bilden Anfragen ohne erkennbaren Absender. Und gleich dahinter: llms.txt-Prüfwerkzeuge, ein halbes Dutzend verschiedene. Von einem großen KI-Anbieter kam in diesem Zeitraum kein einziger Abruf.
Es waren also mehr Prüfwerkzeuge unterwegs als KI-Anbieter.
Vier Einschränkungen, damit das nicht mehr trägt, als es kann. Es ist eine Website über ein Zeitfenster — ein Standortbefund, keine Aussage über das Web. Abholen ist nicht Lesen; niemand kann von außen sehen, was mit der Datei danach passiert. Unsere Seite schreibt selbst über llms.txt und zieht Prüfwerkzeuge dadurch überproportional an. Und „nicht bestätigt" heißt nicht „gefälscht" — bei manchen Anbietern ist die Herkunft technisch gar nicht prüfbar.
Was die Zahlen stützen, ist trotzdem deutlich: Die Datei wird geprüft. Ob sie gelesen wird, wissen wir nicht.
Was das für dich heißt
Keine llms.txt zu haben ist ein völlig legitimer Zustand. Kein Werkzeug bestraft es, keine Suchmaschine verlangt es. Wenn du keine hast und keine brauchst: Haken dran, weiterarbeiten.
Wenn du eine hast, dann prüfe fünf Dinge: eine Überschrift mit # ganz oben, mindestens einen richtigen Markdown-Link, mehr als 50 Zeichen Inhalt, kein unsichtbares Steuerzeichen am Anfang, und erreichbar ohne Weiterleitungskette. Danach einmal durch PageSpeed Insights schicken.
Wenn ein Plugin sie für dich erzeugt, prüfe das Ergebnis trotzdem. Der Yoast-Fall zeigt, dass ein Werkzeug eine Datei erzeugen kann, die ein anderes Werkzeug ablehnt — ohne dass du etwas falsch gemacht hast.
Und: Betrachte die Datei als das, was sie heute nachweislich ist — ein Signal an Prüfwerkzeuge. Nicht als Leitung zu einem Sprachmodell. Was nach der Datei kommt, haben wir an anderer Stelle beschrieben: llms.txt ist nur Schritt eins.
Die größere Linie
Ein Format setzt sich selten durch, weil das Dokument dahinter gut ist. Es setzt sich durch, weil ein Werkzeug es erzeugt oder bewertet. llms.txt hatte bis 2026 keinen solchen Träger. Jetzt hat es einen — und dieser Träger ist ein Prüfer, kein Leser.
Dasselbe Prüfwerkzeug schaut übrigens auch nach einer zweiten Route, /.well-known/ai-catalog.json. Die steht in unserer laufenden Messreihe bei null Prozent Verbreitung. Ob ein Prüfer allein reicht, um ein Format von null wegzubewegen, sehen wir im Oktober.
Häufig gestellte Fragen.
Brauche ich zwingend eine llms.txt?
Sie ist kein Google-Ranking-Signal (das sagt Google selbst) — aber in Minuten erstellt und für KI-Agenten als Orientierung nützlich. Ein günstiger Zusatz, kein Wundermittel.
Wie verbreitet sie wirklich ist, messen wir selbst: Stand September 2026 liefern 13,5 % der geprüften Domains eine llms.txt aus. Die Messung ist offengelegt im ai-discovery-radar.
Warum reicht guter Content für Menschen nicht automatisch für KI-Sichtbarkeit?
Guter Content für Menschen darf unterhaltsam, stimmungsvoll und mit Marketing-Sprache formuliert sein — „Wir sind seit Generationen Ihr verlässlicher Partner für…“ liest sich für einen Menschen sympathisch. Eine KI kann mit solchen Floskeln aber wenig anfangen, weil sie keine überprüfbare Information enthalten.
Was KI-Systeme bevorzugen, ist Informationsdichte: klare, in sich geschlossene Aussagen mit konkreten Fakten, Zahlen und Zusammenhängen, die auch ohne den Rest der Seite verständlich sind. Der Trick liegt darin, beides zu verbinden — Marketing-Ton für Menschen, aber mit einem faktischen Kern, den eine KI zitieren kann, ohne interpretieren zu müssen.


