
Suchintention: Warum die richtige Seite wichtiger ist als das richtige Keyword
Florian Berger · 02.11.2026
Thema: Gefunden bei Google
Die Suchintention ist das, was jemand mit einer Suche erreichen will: etwas wissen, etwas erledigen, eine bestimmte Seite finden oder irgendwo hingehen. Sie entscheidet, welche Art von Seite eine Anfrage am besten beantwortet — und deshalb beginnt eine gute Keyword-Strategie für mich nicht bei der Liste der Begriffe, sondern bei der Frage, welche Seite für welche Absicht da ist.
Google beschreibt das selbst so: Um passende Ergebnisse zu liefern, müsse man zuerst verstehen, wonach jemand sucht — die Absicht hinter der Anfrage (Google, So funktioniert die Suche).
Wie Google Absichten unterscheidet
In den Richtlinien für seine Qualitätsbewerter (Fassung vom 11. September 2025) unterscheidet Google vier Arten von Anfragen (Google, Rater Guidelines, Abschnitt 12.7):
- Wissen: Jemand will etwas erfahren — „wie lange hält ein Holzfenster".
- Tun: Jemand will etwas erledigen — ein Angebot anfordern, einen Termin buchen.
- Website: Jemand will eine bestimmte Seite finden — „Tischlerei Huber Meran".
- Vor Ort: Jemand will irgendwo hingehen — „Tischler in der Nähe".
Zwei Dinge aus diesem Dokument finde ich für die Praxis wichtig. Erstens: Die Grenze zwischen „Wissen" und „Tun" ist oft unscharf, und die Bewerter sollen gar nicht streng trennen. Zweitens: Die Bewertungen beeinflussen das Ranking einer Seite nicht direkt; sie dienen Google dazu, seine Systeme zu messen. Das Dokument ist also kein Regelwerk zum Abhaken, sondern ein Blick darauf, was Google unter einem guten Ergebnis versteht.
In Marketing-Werkzeugen heißen dieselben Absichten oft anders: informational, commercial, transactional, navigational. Gemeint ist im Kern dasselbe.
Drei Suchen, drei Seiten
Nehmen wir eine Tischlerei im Burggrafenamt:
- „Tischler Meran" — vor Ort und Tun. Die passende Seite ist die Leistungsseite mit Ort, Einzugsgebiet, Öffnungszeiten und einem klaren Weg zur Anfrage.
- „Fenster restaurieren Kosten" — Wissen, mit Kaufabsicht dahinter. Hier hilft ein Ratgeber mit Preisrahmen, Ablauf und den Fragen, die vor einem Auftrag kommen.
- „Tischlerei Huber" — Website. Die Startseite muss eindeutig zeigen, dass man richtig ist.
Ein typischer Fehler: Alle drei Absichten landen auf derselben Seite, meist der Startseite. Dann beantwortet keine Seite eine Frage richtig — und wenn man später für jede Frage eine eigene Seite baut, ohne die Begriffe sauber zu verteilen, konkurrieren sie plötzlich um dasselbe Wort. Das nennt man Keyword-Kannibalisierung.
Wie sich Absichten verteilen, hat Andrei Broder schon 2002 untersucht: In einer Stichprobe von 400 Suchanfragen der damaligen Suchmaschine AltaVista waren 48 % auf Wissen aus, 30 % auf ein Geschäft und 20 % auf eine bestimmte Website (Broder, 2002). Die Studie ist alt und klein, aber offen gerechnet — und die Richtung gilt bis heute: Die meisten Suchen wollen erst einmal etwas wissen.
Eine Keyword-Strategie ohne teure Werkzeuge
Für einen kleinen Betrieb reicht oft ein einfacher Ablauf:
- Schreib die Fragen deiner Kundschaft auf, wie sie sie am Telefon stellen. Ordne jede einer Absicht zu.
- Gib jeder Absicht eine Seite und jeder Seite einen eigenen Fokusbegriff. Ein Begriff gehört genau einer Seite.
- Sieh in der Search Console nach, unter welchen Suchanfragen deine Seiten heute schon erscheinen. Oft wird eine Seite für etwas gefunden, das nie geplant war. Das ist ein Hinweis darauf, was die Leute wirklich suchen.
- Kümmere dich zuerst um Begriffe, bei denen du knapp hinter der ersten Ergebnisseite stehst. Dort bringt eine Überarbeitung am meisten. Bei btlabs.dev steht zum Beispiel gerade gut ein Dutzend Suchanfragen dort, etwa „website in ki sichtbar machen".
- Denk in allen drei Sprachen. Die Absicht ist meist dieselbe, die Wörter sind es nicht. „Tischler" und „falegname" sind kein übersetztes Keyword, sondern zwei eigene Suchen.
Was btlabs Core dafür eingebaut hat — und was nicht
Jede Seite trägt je Sprache einen Fokusbegriff und bis zu vier Zweitbegriffe; die Suchintention wird einmal je Seite festgelegt. Ein Fokusbegriff darf je Sprache nur einer Seite gehören. Die Search-Console-Daten kommen jede Nacht dazu: Im Bearbeitungsfenster sieht die Redaktion, über welche Suchanfragen eine Seite gefunden wird, und das Cockpit zeigt Begriffe knapp vor der ersten Ergebnisseite — für Google und Bing getrennt — sowie Suchanfragen, für die eine Seite gefunden wird, ohne dass sie dafür geplant war.
Mit hinterlegtem KI-Zugang schlägt die Plattform außerdem Begriffe und Absichten vor. Übernommen werden nur Begriffe, die im eigenen Text belegt sind, und nichts ohne Freigabe.
Was sie nicht macht: Keyword-Recherche mit Suchvolumen. Dafür gibt es eigene Werkzeuge — und die Strategie selbst ist Beratung, nicht Software. Die machen wir bei Berger+Team.
Wie Absicht, Inhalt, Links und KI-Sichtbarkeit zusammenhängen, zeigt die Übersicht SEO und GEO. Woran man erkennt, ob die Seite selbst ihre Arbeit tut, steht in Content SEO: Woran du erkennst, ob eine Seite gut genug ist. Mehr zum Begriff steht im Glossar unter Suchintention.
Quellen
Häufig gestellte Fragen.
Was ist der Unterschied zwischen SEO, GEO und LLMO?
Die drei Begriffe bauen aufeinander auf, statt sich zu ersetzen. SEO (Search Engine Optimization) sorgt dafür, dass eine Seite in klassischen Suchergebnislisten gut platziert ist. GEO (Generative Engine Optimization) erweitert das um das Ziel, in KI-generierten Antworten als Quelle zitiert zu werden — etwa in einer ChatGPT- oder Perplexity-Antwort.
LLMO (Large Language Model Optimization) geht noch einen Schritt technischer: Es geht darum, gezielt zu verstehen und zu beeinflussen, wie einzelne Sprachmodelle Inhalte verarbeiten, gewichten und wiedergeben — quasi das Reverse Engineering des jeweiligen Modells. Für die Praxis heißt das: SEO bleibt die Eintrittskarte, GEO sorgt für Zitierfähigkeit in der Breite, LLMO justiert die Details für die Systeme, die für einen Betrieb am wichtigsten sind.
Ob du diese Unterscheidung im Alltag überhaupt brauchst, ist eine eigene Frage — wir haben sie ausführlich beantwortet: Brauchst du wirklich fünf neue Abkürzungen?
Ist klassisches SEO durch KI-Suche überflüssig geworden?
Nein. Google-KI-Übersichten zitieren zum größten Teil Seiten, die klassisch bereits gut ranken. SEO bleibt die Eintrittskarte — KI-Optimierung (GEO) ist die Erweiterung um zitierfähige Antworten, Struktur und sichtbare Autorität.
Wie misst man Erfolg, wenn KI-Antworten keinen Traffic mehr auf meine Seite bringen?
Die klassische Kennzahl Klickrate verliert an Aussagekraft, wenn ein Nutzer seine Antwort direkt von der KI bekommt, ohne je eine Seite zu besuchen. Die neue Kennzahl heißt sinngemäß Share of Model Voice: Wie oft und in welchem Kontext wird dein Betrieb genannt, wenn jemand ChatGPT, Perplexity oder Claude eine Frage aus deiner Branche stellt — und wird er dabei korrekt und positiv dargestellt?
Diesen Wert misst man, indem man typische Kundenfragen regelmäßig selbst an gängige KI-Systeme stellt und protokolliert, ob und wie der eigene Betrieb vorkommt. Erfolg zeigt sich dann nicht mehr an Besucherzahlen, sondern daran, präsent und korrekt zitiert zu sein, auch wenn daraus kein direkter Klick entsteht.
Wie sich diese Werte zu einem Bild zusammensetzen, das man morgens in zwei Minuten liest, haben wir ausführlich beschrieben: das Sichtbarkeits-Cockpit.


